EIN KIND UNSERER ZEIT
KARL WOZEK / ÖDÖN VON HORVATH
Basierend auf einem Klassiker der österreichischen Literatur entwickelt Karl Wozek und das theater.wozek einen ganz neuen und zeitgenössischen Zugang zu Horvaths Text und setzt ihn in gegenwartsbezogener Form um. Mit der vorbereitenden Lektüre des Romans im Unterricht, einem Probenbesuch und dem Besuch einer Vorstellung kann hier mitverfolgt werden, wie sich literarische Stoffe im Rahmen der Theaterarbeit in die Richtung verwandeln und anpassen, die der Regisseur als Aussage für die Gegenwart in den Vordergrund stellen möchte.
Der Autor / Regisseur:
Karl Wozek, geboren 1962 in Mödling. Regisseur, Schauspieler und Autor. 1996 gründete er in Wien den Kulturverein theater.
wozek und 2005 den Verein “TheaterEISbrecher”. Regiearbeiten u.a. in der Sargfabrik, am Donaukanal, in der Kirche Altlengbach, im Schloss Jedenspeigen, auf der Reichsbrücke, im Theater des Augenblicks, im Kabelwerk, in der Arena, im Theater-Phönix Linz, im Hotel Panhans am Semmering, in der Dornbirner Stadthalle, im Rabenhoftheater im Rahmen der Wiener Festwochen, im DschungelWien, bei Drama X, im 3raum-Anatomietheater, im Schikaneder Kino, im Stadttheater Mödling, in der Villa Gugging und im TAG.
Aus „Ein Kind unserer Zeit“ von Ödön von Horvath:
Es gibt keine Gerechtigkeit, das hab ich jetzt schon heraus.
Daran können auch unsere Führer nichts ändern, selbst wenn sie auf außenpolitischem Gebiet noch so genial operieren.
Der Mensch ist eben nur ein Tier, und auch die Führer sind nur Tiere, wenn auch mit Spezialbegabungen.
Warum bin ich nicht so begabt? Warum bin ich kein Führer?
Wer bestimmt da mit einem Menschen? Wer sagt zu dem einen: Du wirst ein Führer.
Zum anderen: Du wirst ein Untermensch. Zum dritten: Du wirst eine dürre, stellungslose Verkäuferin. Zum vierten: Du wirst ein Kellner. Zum fünften: Du wirst ein Schweinskopf.
Zum sechsten: Du wirst die Witwe eines Hauptmanns.
Zum siebten: Gib mir deinen Arm –
Wer ist das, der da zu befehlen hat?!
Das kann kein lieber Gott sein, denn die Verteilung ist zu gemein.
Wenn ich der liebe Gott wäre, würd ich alle Menschen gleich machen.
Einen wie den anderen – gleiche Rechte, gleiche Pflichten!
Aber so ist die Welt ein Saustall.




