RICHARD
GERNOT PLASS / WILLIAM SHAKESPEARE
Gernot Plass setzt sich, ausgehend vom Königsdrama „Richard II“ von William Shakespeare, mit dem Themenkomplex Macht in all seinen Facetten auseinander. Dabei möchte er sich an
Shakespeares dramatischer Struktur orientieren, diese aber mit neuen, gegenwartsbezogenen Inhalten füllen, die das Thema einer zeitlosen Untersuchung von Machtmechanismen umkreisen. Wie bei Shakespeare wird das Individuum, das mit dem Verlust seiner Machtposition konfrontiert ist, in den Mittelpunkt gestellt.
Zahlreiche Fragestellungen können bei diesem Projekt thematisiert werden: Wie und nach welchen Regeln funktionieren Machtsysteme? Wie kommt es dazu, dass Machtmechanismen zerschlagen oder abgelöst werden? Wie sieht es dabei im Inneren der Menschen aus, die hinter
den abstrakten Inhabern der Macht stehen? Und auf welche Einzelschicksale haben die Entscheidungen der Welt der Mächtigen nachhaltigen Einfluss? All diese Fragen sind hochaktuell in ihren Bezügen – man denke an die Bankenkrise und den stellvetretenden Machtkampf zwischen Richard Fuld, Boss von Lehman Brothers, und Henry Paulson, Finanzminister der Regierung Bush.
Der Autor / Regisseur:
Gernot Plass ist Schauspieler, Autor, Regisseur, Musiker und
Komponist und wurde 1965 in Wien geboren. Er absolvierte
ein Musik- sowie das Schauspielstudium am Konservatorium
der Stadt Wien. Es folgten Engagements im In- und Ausland
(Stadttheater Klagenfurt, Stadttheater Ulm, steirischer
herbst etc.). Gernot Plass inszenierte Stücken von Richard Dresser, Robert Woelfl, Felicia Zeller, Ulrich Zieger u.a. Er
ist Vorstandsmitglied der IG Freies Theater und des urtheaters
und seit 2005 Mitglied des künstlerischen Teams des TAG.
Aus „Richard II.“ von William Shakespeare
König Richard: – Gib mir den Spiegel, darin will ich lesen. –
Noch keine tiefern Runzeln? hat der Gram
So manchen Streich auf mein Gesicht geführt
Und tiefer nicht verwundet? Schmeichelnd Glas,
Wie die Genossen meines günst’gen Glücks
Betörst du mich! – War dieses das Gesicht,
Das täglich unter seines Hauses Dach
Zehntausend Menschen hielt? Dies das Gesicht,
Das wie die Sonn Anschauer blinzeln macht?
Dies das Gesicht, das so viel Torheit sah,
Bis endlich Bolingbroke es übersehn?
Hinfäll’ger Glanz erleuchtet das Gesicht,
Hinfällig wie der Glanz ist das Gesicht –
Er schmeißt den Spiegel gegen den Boden.
Da liegt’s, zerschmettert in vielhundert Scherben!
Merk, schweigender Monarch, des Spieles Lehre,
Wie bald mein Kummer mein Gesicht zerstört.




