„Ever tried, ever failed, no matter
try again, fail again, fail better.“ Samuel Beckett
„Ich wünsche nicht das Theater des guten Gedächtnisses, der kreisförmigen Behaglichkeit, des Selbstvergessens. Die Idee des reinen Theaters fordert die einmalige Zeit, den einmaligen Raum, die einmalige Einheit, den Schöpfer. An Stelle der alten Dreiteilung tritt unsere Einheit. Es gibt keine Dichter, Schauspieler und Zuschauer mehr. Fort mit den Augen der Gaffer und den Ohren der Horcher. Ihr seid alle meine Komödianten. Die Bühne ist ebenso dort, wo ihr seid, wie hier, wo ich stehe. Ich grüße euch, Schauspieler der Galerien, der Stehplätze, der Lagen und Parkettreihen, hinter den Kulissen, Souffleure! Unser Theater ist Einheit des Seins und Scheines. Wir spielen das Theater des Augenblicks, der identischen Zeit, comedie immediate, den Scheinwerfer unseres gegenwärtigen Geistes. Unser Theater ist theatre immediate, des identischen Raumes, des Scheines an Ort und Stelle unseres Seins, des einzigen Ortes. Unser Theater ist das der Vereinigung aller Widersprüche, des Rausches, der Unwiederholbarkeit. Sein Triumph oder Misslingen ist Funktion unserer augenblicklichen Mächtigkeit. An Stelle der Direktoren, Regisseure, tritt der Spielmächtige.“ Das Stegreiftheater, J.L. Moreno. 2 Auflage, Beacon House, Beacon N. Y., 1970, S. IV
- 1. Wie kann man gutes Improvisationstheater machen, ohne dass das Publikum Absprachen unterstellt? Wie kann man die Zuschauer in der Aufführungssituation vom Improvisationscharakter der Darbietung überzeugen?
- 2. Wie kann man die Erwartungen der Zuschauer so steuern, dass sie ihre Fixierung auf Stücke, Produkte und Werke aufgeben und sich stattdessen auf die Prozesshaftigkeit einlassen?
- 3. Wie kann man verhindern, dass die besten Spieler in andere Theater abwandern, wo sie mehr verdienen und weniger Risiko auf sich nehmen?
- 4. Ist eine Professionalisierung überhaupt möglich oder ist das Improvisationstheater nur als Laienspielbewegung zu realisieren?
Gunter Lösel
„In gewissem Sinn ist jede Kunst Improvisation. Einige Improvisationen werden als solche präsentiert – vollständig und auf einmal; andere sind ‚ausgebesserte Improvisationen’, die über einen bestimmten Zeitraum gesichtet und umstrukturiert wurden, bevor die Öffentlichkeit das Werk genießen darf.“ Stephen Nachmanovitsch
„Das moderne revolutionäre Theater, in Europa sowohl als in Amerika, hat sich wohl in der Richtung des Stegreiftheaters entwickelt, aber es ist noch immer nicht fähig, die alten, dogmatischen Schranken zu überbrücken. ‚The Living Theater’ und ‚The Open Theater’ in Amerika sind noch immer an die Dramenkonserve gebunden. Sie haben wohl keinen Theaterschriftsteller im alten Sinn, aber das Ensemble der Spieler improvisiert schrittweise die Teile eines Stückes welche sie dann zu einem organisierten Spiel zusammenschmelzen. Das Ziel des Ensembles ist noch immer ein ‚Theaterstück’ zu schaffen, dass sie dann mit keinen Abweichungen immer wiederholen.“ Das Stegreiftheater, J.L. Moreno. 2 Auflage, Beacon House, Beacon N. Y., 1970
„Male, wie es dir gefällt, und stirb glücklich.“ Henry Miller
„Es war Goethe selber der Stegreifspiele empfohlen hat. Im zweiten Buch, neuntes Kapitel, Die Lehrjahre, sagt er: ‚Das Stegreiftheater soll in jedem Theater eingeführt werden. Das Ensemble soll regelmäßig auf diese Weise trainiert werden. Das Publikum würde profitieren wenn ein ungeschriebenes Spiel einmal im Monat aufgeführt wird’. Es ist erstaunlich wie sehr die Ziele des Theaters sich geändert haben!“ Leipziger Neueste Nachrichten, Leipzig, Dezember 21, 1924
„Die Aneignung der Rolle durch den Schauspieler verläuft zentripetal. Es ist genau der umgekehrte Prozeß wie beim Bildhauer und Maler: Diese haben den Stoff außer sich, im Raum, der Geist tritt aus ihnen heraus in das Material – der Schauspieler hat den Geist außer sich im Raum, dieser tritt in ihn hinein als das Material.” Das Stegreiftheater, J.L. Moreno. 2 Auflage, Beacon House, Beacon N. Y., 1970, S 28
„Das Industriezeitalter brachte eine übermäßige Gewichtung von Spezialisierung und Professionalisierung in allen Bereichen des Lebens mit sich. Die meisten Musiker beschränkten sich darauf, Note für Note die Partituren jener Handvoll Komponisten zu spielen, die einen Zugang zu dem geheimnisvollen und göttlichen, kreativen Prozess hatten. Komposition und Aufführung wurden immer stärker voneinander getrennt – zum Nachteil beider. Populäre und klassische Formen wurden ebenfalls immer mehr voneinander getrennt – ebenfalls zum Nachteil beider. Das Neue und das Alte verloren ihre Kontinuität. Wir betraten eine Epoche, in der die Konzertbesucher glaubten, nur ein toter Musiker sei ein guter Musiker.“ Stephen Nachmanovitsch
„Im Stegreiftheater entscheidet aber nicht das Gesamtwerk, das ‚Drama‘, sondern die szenischen Atome. Kein deus ex machina hat vorgesorgt. Es wird nicht ‚Zeit‘ gespielt sondern Momente. Die Akte eines Stückes sind voneinander gelöst: sie bilden eine Schnur von je und je aufleuchtenden Impulsen.” Das Stegreiftheater, J.L. Moreno. 2 Auflage, Beacon House, Beacon N. Y., 1970, S. 37
„Der Spielmächtige ist zentrifugal. Der Geist, die Rolle, ist nicht wie beim Schauspieler in einem Buch, das Material nicht wie beim Maler oder Bildhauer draußen im Raum, sondern ein Teil von ihm. Was den Schauspieler zuerst, erreicht den Spielmächtigen zuletzt: Das Wort. Er rollt das Untere hinauf, nicht das Obere hinunter, das Innere hinaus, nicht das Äußere hinein.” Das Stegreiftheater, J.L. Moreno. 2 Auflage, Beacon House, Beacon N. Y., 1970, S 28




