Johannes Schrettle – „Wie ich mit 12 Millionen Euro den Kapitalismus rette“

von Johannes Schrettle

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wie sprechen wir über geld?
können wir uns trotzdem lieben?
müssen wir einen vertrag eingehen?

Diese Arbeit handelt von Bürgerkindern in prekären Verhältnissen und einer Angstvision.

Diese Angst vor dem Verlust der eigenen (finanziellen) Sicherheit ist zwar diffus und unkonkret, aber gleichzeitig auch sehr real: die immer noch komfortable Mittelschicht kämpft ums Überleben und um die eigene Abgrenzung, die Spirale dreht sich nach unten, Akademiker werden arbeitslos, die Phase des Aufstiegs ist endgültig vorbei. Angst vor der Verarmung greift um sich, aber Armut ist dabei immer noch ein sehr relativer Begriff. Mit den passenden sozialen Distinktionsmerkmalen reicht das noch immer für ein schönes Leben z.B. in Wien.

Die Angst aber bleibt. Sie ist verbunden mit Schlagwörtern wie Marginalisierung, Ausgrenzung und Minderwertigkeitskomplexen. Es gibt aber die Angst, aus einem immer noch als relativ sicheren sozialen Gefüge rauszufallen, weil Einkommensgrenzen in Krisenzeiten immer mehr zu sozialen Grenzen werden.

Für das Bewusstsein der prekär lebenden Bürgerkinder bedeutet das einen Konflikt: die Angst vor dem Abstieg und der Drang zur Besitzstandswahrung auf der einen Seite und das liberale und aufgeschlossene Selbstbild auf der anderen. Was tun?

Das soll bei WIM… anders werden. WIM ist eine Revue ohne Musik, es ist ein Abend über die große Angst vor dem großen Geld. Menschen, deren Eltern Lehrer sind, und die nicht wissen, wie sie über Geld sprechen können mit ihren Freunden. Eine Revue über einen Lottogewinn, der das fragile Gleichgewicht von Bürgerkindern um die Dreißig durcheinander bringt und schlussendlich zu einer Tragödie führt. Mit dem Irrealen (dem Geld) bricht das Reale (Lüge, Intrige, Eifersucht, Paranoia) in die Idylle der letzten Vertreter einer angegrauten Mittelschicht ein.

(Gekürzter Originaltext des Theatermachers.)

Johannes Schrettle
Johannes Schrettle wurde 1980 in Graz geboren. Von 2000 bis 2007 arbeitete er als Redakteur, Flüchtlingsbetreuer und Deutschtrainer für AsylwerberInnen beim Verein ZEBRA in Graz. Im Jahr 2000 begannen erste Arbeiten als Theaterautor. Im Jahr 2004 wirkte er als Gründungsmitglied, Autor, Regisseur und Performer der Gruppe „zweite liga für kunst und kultur“ in Graz mit. Eine Auswahl an bisherigen Arbeiten als Dramatiker: 2003 „fliegen/gehen/schwimmen“ bei den Werkstatttagen des Burgheaters. 2005 erfolgte die Uraufführung des Stückes am Theater in Osnabrück. 2004 „Dein Projekt liebt dich.“, das zum Stückemarkt der Berliner Festspiele eingeladen und am Schauspielhaus Graz 2005 uraufgeführt wurde. 2007 folgte „boat people – das label ist schön.“ – Uraufführung im Kasino des Burgtheaters in Wien und 2008 „Ich habe King Kong zum Weinen gebracht“, ein Auftragswerk des Burgtheaters Wien.