Zur Saison

Was soll man in diesem Jahr für Worte und Formulierungen finden, die nicht um die allgegenwertige Causa prima kreisen. Das Theater in seiner ureigensten Funktion als ein dicht mit Menschen gefüllter Treffpunkt der lebendigen gemeinsamen Auseinandersetzung im Hier und Jetzt wurde erschüttert von einem Angriff aus einer Richtung, in die bisher niemand geblickt hatte. Nicht die ästhetische Konkurrenz zum Digitalen hatte sich für das Theater als fatal erwiesen, sondern seine ureigene Voraussetzung: die Präsenz atmender Menschen.

Immer noch beeindruckt von den Geschehnissen des Frühjahrs eröffnet sich uns eine Theater-Saison der gelebten Unsicherheit. Abstandsregeln und hygienisch angeordnete Maskierungen bestimmen das Ereignis (aber vor allem das Erlebnis) unangenehm mit. Wie wird sich ein Betrieb, der durch die verordnende Behörde empfindlich eingeschränkt ermöglicht wurde, in der Praxis gestalten? 

Natürlich überwiegt die Hoffnung, dass es im Laufe des Sommers noch zu weiteren Lockerungen der Maßnahmen, die Mikrobe einzudämmen, kommen wird. Die Wellenmechanik einer grassierenden Epidemie stellt aber eine mögliche Wiederholung der Ansteckungsgefahr in Aussicht. Kurz: „Die Zweite“ oder „der Neue“, diesmal mit der Ordnungszahl 20, könnte jederzeit wieder über uns hereinbrechen. 

In einer Gesellschaft, in der Sicherheit und dazu die gespiegelte Angst vor Unsicherheit und Angst vor dem Tod, als der entscheidende und vorrangige Wert emergiert, können wir nie vor einer abermaligen Schließung unsere Räumlichkeiten gefeit sein. Sollte man das kritisieren? Sind unsere Zahlen, wie von der Politik allenthalben behauptet, nicht „schön“? Leben wir nicht (fast) alle noch? Wir leben. Richtig, aber was heißt dieses Leben jenseits von der Erfolgsphase seines Immunsystems?

Selbstverständlich freuen wir uns auf das Kommende, sofern es über die Winterkurve das neuinstallierte Scheinwerferlicht erblickt, und haben natürlich auch einiges im Gepäck. Nicht zuletzt durch Stauungen, die eine noch unschuldige Planung des Vorjahrs auf die Kalendermonate, welche durch die hygienische Maßnahme ereignislos blieben, verteilt hatte.

Was gibt es noch? Die Leitungsperiode der Geschäftsführung Plass/Urbach wurde in der vergangenen Saison dank langer und erfreulicher Verhandlungen von der Stadtverwaltung bis in das Jahr 2025 verlängert. Erfreulich nicht zuletzt deshalb, weil auch innerhalb dieser Verhandlungen der erhöhte Förderbedarf der Betriebsgesellschaft auf Seiten der Stadt nicht nur erkannt, sondern folglich auch mit zusätzlichen Mitteln gemildert wurde. Dies ermöglicht uns die durchgängige Anstellung aller, auch der künstlerischen Mitarbeiter*innen, und die prospektive Anmietung von Proberäumlichkeiten. Durch eine zusätzliche betriebliche Förderung konnten wir auch einen lange anstehenden technischen Teilumbau der Lichtanlage bewerkstelligen. 

Alles in allem ist dies geeignet, die Bedingungen der arbeitenden Menschen zu verbessen und damit auch die Qualität der künstlerischen Prozesse weiter zu steigern. Und so wäre von uns aus nichts mehr zu tun, als mit den auf den folgenden Seiten aufbereiteten Vorhaben Ihnen und uns allen eine erfreuliche und erfolgreiche Saison 20/21 zu wünschen. 

Gernot Plass
Künstlerische Geschäftsführung