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Wurst, Obst, Stirbst

Von Hannelore Schmid und Thomas Toppler

Eine Produktion von HERMINENTHEATER in Kooperation mit dem TAG

Vorstellungsdauer
ca. 65 Minuten, keine Pause

Uraufführung

Premiere: Sa. 04. Mai 2024, 20.00

Die Fortsetzung des Nestroypreis-Stückes EIN BESCHEIDENERER VORSCHLAG – die Bouffon-Truppe nimmt sich diesmal tabulos dem Thema Pflegearbeit an. Als unterstes Glied der Gesellschaft machen sich die Bouffons über alle lustig und pfeifen auf die Political Correctness. Ein Heidenspaß, der unsere moralischen Grenzen befragt!

Termine und Infos

Spielplan


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Über Wurst, Obst, Stirbst

“Großartig groteske Politsatire mit derbem Schmäh und famosen Gesangseinlagen.” Falter

“Es ist Theater als Gesamtkunstwerk, das in Inszenierung, Spiel- und Ausdruckskraft, Witz, pointierter Gesellschaftskritik, Musikalität, Kostüm-Bühnenbild rundum begeistert – Bühne als entfesselte Energiekomposition. (…) Hier etabliert sich eine Theaterform als kompromisslos-mutiger, unendlich spielfreudiger Bühnenwirbelwind, der den Weg in eine neue Avantgarde weist, die Spielkunst und Gesellschaftskritik kurzweilig wie impulsgebend jongliert. Ein einzigartiges Theaterereignis.” Literaturoutdoors

Nach dem großen Erfolg mit der Nestroy-prämierten Produktion EIN BESCHEIDENERER VORSCHLAG erzählt Thomas Toppler mit seiner Bouffon-Truppe die Geschichte weiter: Das neue Stück WURST, OBST, STIRBST beginnt dort, wo das alte geendet hat. Dem Prinzip der ersten Produktion folgend gibt es auch jetzt wieder mehrere Handlungsstränge, die sich zu einem Spiegelbild der Gesellschaft verdichten.

Als freischaffende Theatertruppe möchten die Bouffons dem Publikum wie immer Unterhaltung mit gleichzeitigem Bildungsanspruch bieten. Sie haben die Werke alter russischer Meister gelesen und möchten diese in moderner Form auf die Bühne bringen. Als eine der Schauspieler*innen aus dem Bouffon-Ensemble dabei Anzeichen von körperlicher Schwäche zeigt, wird sie von den anderen unverzüglich ins Pflegeheim „Casa Sonnenschein“ abgeschoben. Während das für viele als letzte Station betrachtet wird, begegnet sie, und mit ihr das Publikum, erstmals auch den Vorzügen dieser wunderbaren Institution. 

Allegorische Darstellung des politischen Geschehens, Anleihen aus der Weltliteratur und gesellschaftspolitische Fragen des Alltags bilden die Grundlage des Textes. Das Spiel im Spiel wird fortgeführt, die Spielebenen werden immer wieder gebrochen. Ziel des Bouffon-Theaters ist, moralisch keine Vorgaben zu machen. Die Bouffons sind absichtslos und leben eine egalitäre Gemeinschaft. Sie verführen das Publikum und versuchen, es auf „ihre Seite“ zu ziehen. Die Bouffons eröffnen so im Spiel einen vorrechtlichen Raum, in dem das Publikum überprüfen kann, auf welchem Fundament die eigenen Wertvorstellungen stehen. Und das ganz unmerklich, mit jeder Menge Spaß und herrlichen musikalischen Einlagen.

Team

Es spielen
Text
Ensemble, Hannelore Schmid, Thomas Toppler
Konzept
Thomas Toppler
Regie
Thomas Toppler
Bühnenbild
Michael Strasser
Kostüm
Eva-Maria Mayer
Musik
Ensemble, Thomas Toppler
Dramaturgie
Ensemble, Thomas Toppler
Licht
Katja Thürriegl
Produktionsleitung
Lisa Anetsmann
Regieassistenz
Elisabeth Kneissl

Foto-Galerie

Kritiken

“Noch witziger wird es, als die niederösterreichische Landeshauptfrau zusammen mit dem Bürgermeister auf Promotour das Pflegeheim besucht: Her mit dem Spritzwein, weg mit dem Gendern! Großartig groteske Politsatire mit derbem Schmäh und famosen Gesangseinlagen.”
Falter
“Es ist Theater als Gesamtkunstwerk, das in Inszenierung, Spiel- und Ausdruckskraft, Witz, pointierter Gesellschaftskritik, Musikalität, Kostüm-Bühnenbild rundum begeistert – Bühne als entfesselte Energiekomposition. (…) Hier etabliert sich eine Theaterform als kompromisslos-mutiger, unendlich spielfreudiger Bühnenwirbelwind, der den Weg in eine neue Avantgarde weist, die Spielkunst und Gesellschaftskritik kurzweilig wie impulsgebend jongliert. Ein einzigartiges Theaterereignis.”
Literaturoutdoors
“Es ist bereits der zweite Streich, mit dem das Herminentheater (…) in dieser Art ernste Themen mit schrägen Texten und einem penibel choreographierten Blödeln grell beleuchtet. (…) Unter der Regie von Thomas Toppler (…) sind Ambra Berger, Peter Bocek, Ida Golda Anja Štruc und Kristóf Szimán am Werk. (…) Sie alle beherrschen die feine Klinge leiser Andeutungen und das breite Schwert für lauten Nonsens.”
Kultur und Wein
“Die Typ:innen nehmen sich selbst und (hin und wieder) das Publikum auf die Schaufel. Und ‚entblößen‘ vielleicht in ihrem bitterbösen-satirischen Schauspiel die eine oder andere dunkle Seite auch von Zuschauer:innen. (…) Eingebaut in komisch-schreckliche Szenen im Altersheim sind ‚natürlich‘ auch solche der Politsatire.”
Kijuku

Über die Produktion

Send in the Clowns – die Narren haben wieder Konjunktur. Hier sind sie ausgepufft, verschnürt, in voller Pracht. Als Schminke Dreck und Zahnlack im Gesicht. Buffons. Sie wackeln scheinbar schüchtern vor an die Rampe, grinsen blöde, sabbern und verbreiten eine Atmosphäre schwebender Unsicherheit, die sich zumeist in trügerischer Lustigkeit entlädt, doch einen Nachgeschmack zurücklässt, bitter, gleich jenem von alten Haselnüssen.

An mittelalterlichen Höfen durfte der Narr ungestraft die Wahrheit sagen. Truth to power! Diese subversive Figur durfte die unangenehme Wahrheit aussprechen, um die Herrschaft zu konfrontieren mit ihrer eigenen Aufgeblasenheit und moralischen Verlogenheit. Das alles hatte eine reinigende und korrigierende Funktion. Der Narr, der Hässliche, der Entsandte aus der anderen Welt, welcher allzu abgehobener Macht den Spiegel vorhielt. Für die Bevölkerung gab es den Jahrmarkt und die Fastnachtsumzüge mehr als Ventil, eine Umdrehung der Verhältnisse (sicher keine Revolution), um die drückende Last des Alltags besser zu bewältigen. Bespielt von Gaukler*innen, Trickspieler*innen, Betrüger*innen und sonstigem Gelichter.Was hat das denn mit uns zu tun?

Wir alle haben diesen Seelenanteil in uns. Es ist das Bild einer tieferen Struktur, ein Archetypus, welcher uns in seiner Verkörperung gleichzeitig sowohl eisigen Schauer wie auch hysterisches Gelächter abringt. Das ätzende, das dreckig ordinäre, das kommentierende Wesen in der Seelentiefe, das wir zumeist tunlichst einsperren, vor der eigenen Person mitunter sogar verstecken, um das Selbstbild zu bewahren, welches wir aufrechtzuerhalten immer wieder uns bemühen. Wir kennen diesen Anteil aus Träumen, aus Geschichten: der Eulenspiegel, Scapin, König Lear usw.

Das Buffontheater, das Thomas Toppler und seine Truppe uns abermals, nach dem großen Erfolg des ersten Teils in Fortsetzung jetzt auf die Bühne stellen, arbeitet mit dieser tieferen Ebene der seelischen Wiedererkennung. Obwohl uns manches abstößt oder distanziert erheitert, sehen wir im Buffon letztlich immer nur und auch ein Spiegelbild. Ein manchmal verstörendes, aber auch erregendes Phänomen. Thomas Toppler ist ein gewitzter Könner in der Umsetzung der peinlichen Inhalte in die Form. Und die Form ist definiert.

Der hintergründig weise Klamauk bekümmert sich diesmal um unser Verhältnis zum handfesten Verräumen unserer Lieben hinein in die Tristesse der Alters- und Pflegeheime. Die Industrie dahinter, das politische System, welches das körperliche, aber auch geistige Absterben des „letzten Menschens“ in die Länge zieht. Auch hier bleibt man schließlich Konsument*in, ist Kunde*in und wenn schon nicht mehr König*in, so doch ein Leib plus angehängtem Datensatz, der Verwertung anheimgegeben.

Die bis in die letzte Konsequenz durchdeklinierte soziale Gemeinschaft, an der wir alle durch unsere Versicherungsnummer Anteil haben, wird hier auf ganz eigene Art und Weise beleuchtet. Dies wird mit feiner Klinge, manchmal aber auch mit breitem Schwert von der Truppe um Thomas Toppler und Hannelore Schmid verfochten und immer auch musikalisch aufbereitet. Und wäre dem noch nicht genug – mit Zuhilfe-nahme russischer Literatur und Kunst. Verlogenheiten, welche sich an Tschechow, Tolstoi, Dostojewski, Bulgakow wie selbst auch an der ganzen russischen Kultur festmachen, werden schließlich auch nicht weniger. Ein eigenes Thema, dessen Implikationen hier jeden Rahmen sprengen würde. Mir bleibt nur noch, Ihnen viel Vergnügen und den Schauer des (Wieder-)Erkennens zu wünschen.

Gernot Plass, Künstlerischer Geschäftsführer des TAG

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