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Horváth-Projekt (AT)

Von Georg Schmiedleitner

Uraufführung

Premiere: Sa. 07. Mai 2022, 20.00

Termine und Infos

Spielplan

  • Premiere

Über Horváth-Projekt (AT)

„Jetzt wollen die da drin im Wohlfahrtsamte auch nicht zuständig sein, jetzt soll ich wieder woanders hin – Kreuzkruzefix!“

Und wieder das allzeit gültige Thema: Der kleine Mensch in einer großen, fortwährend komplexer werdenden Welt. Konfrontiert mit neuen öffentlichen und gemeinschaftlichen Angelegenheiten. Technischen Umwälzungen. Medialen Revolutionen. Fortschritte, welche ganz offensichtlich einen gewissen Teil der Bevölkerung weiter und weiter ins Abseits spülen.

Die Gesellschaft und mit ihr deren traditionelle politische Vertretungen haben den Anschluss zu jener Bevölkerungsgruppe längst verloren. Viele darin fühlen sich restlos allein gelassen und in einer für sie immer undurchschaubareren Situation. Diese Ohnmacht ist aber ein gefährlicher Zustand. Die einen flüchten in Ersatzhandlungen wie sinnlosen und minderwertigen Konsum. Andere kompensieren ihre Überforderung mit phantastischen und auch abstrusen Welterklärungstheorien. Eine Vorkriegs-Analogie? Ein neues Weimar? Was nun?

Die Figuren von Ödön von Horváth sind zumeist in nämlicher Verzweiflung, getrieben, den titanischen Kräften der Umwälzungen ausgesetzt, deren Konsequenzen sie machtlos erleiden. Sie stürzen, taumeln, lassen sich ihrer Würde, Rechte und ihrer persönlichen Identität berauben. Oder sie schwimmen hysterisch auf der „Gewinnler*innen-Seite“ des Stromes.

Georg Schmiedleitners Theaterprojekt möchte von dieser bestimmten Entmenschlichung erzählen, die mit manchen Charakteren in Horváths Figurenkabinett korreliert. Menschen am Rande: Sie geben sich auf, verlassen ihre persönliche Komfortzone und ihr gewohntes soziales Netz. Werden zu Opfern von lechzenden ökonomischen Raubtieren oder berechnenden Seelenjäger*innen, welche sich überall in Stellung gebracht haben. Um jene sowohl zu emotionalen wie auch materiellen Sklaven zu degradieren.

Der Theaterabend soll diese Verhältnisse darstellen, schonungslos und ungeschminkt. Überzeichnet und gespenstisch monströs. Kein Szenenabend im herkömmlichen Sinne, kein „Best of Horváth“, sondern ein Abend, der tief hineinlangt in die Abgründe der Gesellschaft und die sozialen und politischen Mechanismen unserer Zeit mit Figuren und Texten aus dem Horváth-Repertoire bloßlegt.

Das Ziel des Projekts ist ein Abend der Analyse und der messerscharfen Bestandsaufnahme: Hart, schwarz/weiß, pur, ungeschminkt, pochend beunruhigend.

Foto-Galerie

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